Navigation auf uzh.ch

Suche

Zurican

Züri Can - Aktueller Stand

Zuletzt aktualisiert am 22.05.2024

Einleitung

Diese Webseite dient dazu, den aktuellen Stand und erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie „Züri Can - Cannabis mit Verantwortung” zu präsentieren und wird monatlich aktualisiert. Die Analysen werden durchgeführt von der Forschungsgruppe Abhängigkeitserkrankungen der Psychiatrischen Universitätsklinik ZürichAddictive Disorder.

Am 22. März 2023 konnten die ersten Personen mit dem Aufnahmeprozess in die Studie beginnen. Ab dem 22. August 2023 können Studienteilnehmende legal Studiencannabis in ihrer Bezugsstelle erwerben. Gemäss der vorliegenden BAG-Bewilligung kann bis Oktober 2026 Studiencannabis erworben werden.

In den folgenden Abschnitten werden Informationen zum aktuellen Stand und Ergebnisse aus den anonymisierten Daten der Studie zu den Bezugsstellen und Studienteilnehmenden vorgestellt und graphisch illustriert.

Weitere Informationen zum Ablauf der Studie Züri Can sowie zur Anmeldung finden Sie auf der Website der Stadt Zürich Züri Can - Cannabis mit Verantwortung.

Bezugsstellen

Studienteilnehmende können bei einer von insgesamt 21 Bezugsstellen legal THC-haltige Cannabisblüten (“Gras”) oder Cannabisharz (“Haschisch”) kaufen. Speziell an dieser Studie ist, dass drei unterschiedliche Arten von Bezugsstellen mit Interventionen zur Förderung eines risikoärmeren Cannabiskonsums untersucht werden (siehe Abbildung 1 zur Übersicht):

Zehn Apotheken sind in Zürich als Bezugsstelle aktiv. Die Mitarbeitenden der Apotheken verfügen über viel Expertise im Hinblick auf die gesundheitliche Beratung. Eine weitere Bezugsstelle ist das Drogeninformationszentrum (DIZ) der Stadt Zürich, welches als Kompetenzzentrum zur Förderung risikoärmeren Freizeitdrogenkonsums über langjährige Erfahrung und Wissen zur Prävention und Beratung im Umgang mit Cannabis verfügt. Als einziges Pilotprojekt mit Cannabis in der Schweiz hat die Studie Züri Can auch zehn Cannabis Social Clubs. Diese werden als nicht gewinnorientierte Vereine geführt und bieten in der Regel die Möglichkeit, Cannabis vor Ort mit anderen Studienteilnehmenden gemeinsam zu konsumieren und sich untereinander auszutauschen. Zudem organisieren die Social Clubs soziale Aktivitäten für ihre Mitglieder.

Abbildung 1: Übersicht der drei Arten von Bezugsstellen. Studienteilnehmende können Studien-cannabis bei einer Apotheke, einem Social Club oder dem Drogeninformationszentrum (DIZ) beziehen. 

Demografie

Aktuell sind 2023 Personen in die Studie aufgenommen und dazu berechtigt Studiencannabis zu kaufen.

Insgesamt können an der Studie Züri Can 2100 Personen teilnehmen. Es nehmen deutlich mehr Männer als Frauen oder nicht-binäre Personen an der Studie Züri Can teil (Abbildung 2a). Eine solche Geschlechterverteilung war zu erwarten. Denn bei einer schweizweiten Online-Befragung, die Ende 2016 mit 3132 regelmässigen Cannabiskonsumierenden durchgeführt wurde, lag der Männeranteil bei 80.5% und der Frauenanteil bei 19.5% (Müller et al., 2023). In anderen Pilotprojekten der Schweiz (siehe auchBAG Liste bewilligte Projekte),  gibt es bei den Studienteilnehmenden eine ähnliche Geschlechterverteilung.

Abbildung 2a: Geschlechterverteilung der aktuellen Studienteilnehmenden in Prozent.

Die Altersgruppe der 28- bis 32-jährigen Studienteilnehmenden ist in der Studie Züri Can derzeit am häufigsten vertreten (Abbildung 2b). Dennoch ist festzustellen, dass ein breites Altersspektrum an der Studie Züri Can teilnimmt. Das Durchschnittsalter beträgt rund 35 Jahre. Der Altersdurchschnitt ist etwas höher als in der schweizweiten Online-Befragung von 2016 wo das Durchschnittsalter bei 30.5 Jahren lag (Müller et al., 2023). In anderen Pilotprojekten, wurde bei den Studienteilnehmenden eine ähnliche Altersverteilung gefunden wie in der Studie Züri Can.

Abbildung 2b: Altersverteilung in Prozent der aktuellen Studienteilnehmenden in 5-Jahresgruppen. 

Konsumhäufigkeit

Der grösste Teil der Studienteilnehmenden konsumiert vier Mal pro Woche oder häufiger Cannabis. Die Studienteilnahme scheint vor allem für Personen mit häufigem Konsum attraktiv zu sein. Dennoch nehmen auch Personen an der Studie teil, die nur wenige Male im Monat Cannabis konsumieren. Dies wird es uns ermöglichen, Personen mit unterschiedlichen Konsumgewohnheiten in unserer Studie zu vergleichen. Die Abbildung 3 zeigt eine Übersicht über die Konsumhäufigkeit der Teilnehmenden in den sechs Monaten bevor sie Studiencannabis beziehen konnten.

Abbildung 3: Konsumhäufigkeit der aktuellen Studienteilnehmenden in den vergangenen 6 Monaten in Prozent.  

Cannabisgebrauchsstörung

Wie auch bei anderen Substanzen mit berauschender Wirkung, wie z.B. Alkohol, hat nicht jede Person, welche Cannabis konsumiert, einen problematischen Konsum1. Viele Personen, die Cannabis konsumieren, tun dies ohne schwerwiegende gesundheitliche oder soziale Folgeschäden (Marmet & Gmel, 2017). Bei einem Teil der Konsumierenden kann es jedoch zur Entwicklung einer Cannabisgebrauchsstörung (engl. Cannabis Use Disorder, CUD) kommen, definiert durch das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM 5). Eine Cannabisgebrauchsstörung liegt vor, wenn ein starker Wunsch besteht Cannabis zu konsumieren (sogenanntes «Craving»), selbst wenn bereits schädliche Folgen vorliegen (Hoch & Gantner, 2019). Auch Toleranz bezüglich der Wirkung, verminderte Kontrollfähigkeit des Konsums, Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Entzugssymptome bei Absetzen der Substanz (z. B. Stimmungsschwankungen, Unruhe, starkes Schwitzen) können auftreten. Es sind 10 – 30% derjenigen, die regelmässig Cannabis konsumieren, betroffen (Leung et al., 2020). Eine Cannabisgebrauchsstörung geht mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche und soziale Probleme einher (Hall et al., 2016; Leung et al., 2020). 

 Wie in Abbildung 4 ersichtlich, gab es bei ca. einem Viertel der Studienteilnehmenden in der Studie Züri Can Hinweise auf eine Cannabisgebrauchsstörung, bevor sie Zugang zu Studiencannabis hatten. Dies wird mittels einem dafür entwickelten Screening-Fragebogen, dem sogenannten Cannabis Use Disorder Identification Test (CUDIT) erfasst (Adamson et al., 2010), welcher bei einem Summenwert von 13 oder mehr Punkten auf eine Cannabisgebrauchsstörung hinweist (Annaheim et al., 2010). Auch in anderen Studien fanden Forschende ähnliche Zahlen für die Häufigkeit einer Cannabiskonsumstörung bei Personen, die regelmässig Cannabis konsumieren (Leung et al., 2020; Marmet & Gmel, 2017).

Durch eine regulierte Abgabe von Cannabis können Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen risikoärmeren Cannabiskonsum fördern. Insbesondere Cannabiskonsumierende, welche einen problematischen Konsum aufweisen, erhalten einen einfacheren Zugang zu Beratungs- und Behandlungsangeboten, z. Bsp. durch die studienärztlichen Ansprechspersonen. Das Verkaufspersonal der Bezugsstellen wurde im Hinblick auf die Beratungs- und Präventionsförderung speziell geschult, damit eine individuelle zielgerichtete Beratung möglich wird. Da Studienteilnehmende ihr Studiencannabis immer bei der gleichen Bezugsstelle kaufen, kann über die Zeit ein engeres Vertrauensverhältnis entstehen, in dem auch problematische Entwicklungen erkannt und thematisiert werden können.

_____________________
1 In diesem Abschnitt werden die Begriffe «problematischer Konsum» und «Cannabisgebrauchsstörung» (CUDIT und DSM-5) dem Begriff «Abhängigkeit» vorgezogen, da mit dem Screeninginstrument (Cannabis Use Disorder Identification Test) im Sinne einer Früherkennung auch Vorstufen der Abhängigkeit erfasst werden sollen.
Abbildung 4: Prozentualer Anteil von den aktuellen Studienteilnehmenden mit einer Cannabisgebrauchsstörung (CUDIT-Score von 13 oder mehr Punkten)

Verkauf

Studiencannabis wird von den Bezugsstellen direkt bei den Produzenten eingekauft. Die angebotenen Produkte und deren Preise sind bei allen Bezugsstellen gleich und werden von der Studienleitung vorgegeben. Das Angebot an Studiencannabis beinhaltet verschiedene Produkte, sowohl Cannabisblüten als auch Haschischprodukte. Dabei gibt es gesetzliche Vorgaben, welche eine hohe Qualität der Produkte sicherstellen. So müssen die Anbaumethoden der landwirtschaftlichen Praxis für Heilpflanzen entsprechen sowie Schweizer Bio-Qualität vorweisen.  

 Seit Beginn des Verkaufsstarts werden fünf verschiedene Cannabisprodukte mit unterschiedlichen THC-/CBD- Gehalten und verschiedenen Genotypen angeboten. Darunter sind drei Blütenprodukte und zwei Haschprodukte. Im Dezember 2023 erweiterte sich das Angebot des Studiencannabis auf neun unterschiedliche Produkte, wovon fünf Blütenprodukte und vier Haschprodukte sind (Tabelle 1).

Bisher wurden alle Produkte von den Studienteilnehmenden nachgefragt. Insgesamt wurden ca. 25'250 Verkäufe getätigt, bei welchen insgesamt ca. 215 Kg Cannabisprodukte in 5-Gramm-Packungen verkauft wurden (entspricht 42'922 Packungen).

Angebot der Cannabisprodukte

Art Name Ratio THC:CBD* Genotyp
Hasch Sour Pollen  20%:5%  Hybrid, Sativa dominant 
Hasch Lemon Resin  15%:5%  Hybrid, Indica dominant 
Hasch Jura Gold 20%:5%  Hybrid, Sativa dominant
Hasch Grand Marais  15%:10%  Hybrid, Sativa dominant 
Blüten  Wedding Cake  20%:<1% Hybrid, Indica dominant 
Blüten  Cairo Dessert 12%:<1%  Hybrid, Sativa dominant 
Blüten  Apricot Mimosa  9%:8%  Hybrid, Indica dominant 
Blüten  Super Lemon Haze  15%:<1%  Hybrid, Sativa dominant 
Blüten  Sour Diesel  6%:12%  Hybrid 
Tabelle 1: Angebot der Cannabisprodukte. Produktionsbedingt waren nicht alle Produkte jederzeit verfügbar. 
*Cannabis ist ein Naturprodukt. Die angegebenen Werte können deshalb um bis zu max. 25% abweichen.

Referenzen

American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorders: DSM-5 (5th ed.). Washington, DC: American psychiatric association.

Adamson, S. J., Kay-Lambkin, F. J., Baker, A. L., Lewin, T. J., Thornton, L., Kelly, B. J., & Sellman, J. D. (2010). An improved brief measure of cannabis misuse: the Cannabis Use Disorders Identification Test-Revised (CUDIT-R). Drug and alcohol dependence, 110(1-2), 137-143.

Annaheim, B., Scotto, T. J., & Gmel, G. (2010). Revising the Cannabis Use Disorders Identification Test (CUDIT) by means of item response theory. International journal of methods in psychiatric research, 19(3), 142-155.

European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (2020). Monitoring and evaluating changes in cannabis policies: insights from the Americas. Publications Office of the European Union: Luxembourg.

Gmel, G., Kuendig, H., Notari, L., Gmel, C., & Flury, R. (2017). Suchtmonitoring Schweiz: konsum von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen in der Schweiz im Jahr 2016. Lausanne: Sucht Schweiz.

Hall, W., Renström, M., & Poznyak, V. (Eds.). (2016). Health and social effects of nonmedical cannabis use. World Health Organization.

Hoch, E., Gantner, A. (2019). Cannabisgebrauchsstörungen. In: Schnell, T., Schnell, K. (eds) Handbuch Klinische Psychologie. Springer, Berlin, Heidelberg.

Leung, J., Chan, G. C., Hides, L., & Hall, W. D. (2020). What is the prevalence and risk of cannabis use disorders among people who use cannabis? A systematic review and meta-analysis. Addictive behaviors, 109, 106479.

Marmet S., Gmel G. (2017). Suchtmonitoring Schweiz – Themenheft zum problematischen Cannabiskonsum in der Schweiz im Jahr 2016. Sucht Schweiz.

Müller, M., Mészáros, E. P., Walter, M., Baltes-Flückiger, L., Herdener, M., Auer, R., Thorens, G., Rothen, S., Nordt, C. & Zullino, D. (2023). Cannabis Consumers' View of Regulated Access to Recreational Cannabis: A Multisite Survey in Switzerland. European addiction research, 1-9

 

uzh-wcms-publications.subpageListDialog.labelUnterseiten